"This is Tempelhof Tower, on frequency 118.1. This Airport is close now. Thank you. Good-bye, auf Wiedersehen." Mit diesen Worten schloß der Controller Bruce Christie mit sehr viel Wehmut in der Stimme den traditionsreichen und historischen Flughafen Tempelhof in Berlin nach 85 Jahren und 23 Tagen Flugbetrieb für immer.
Zuvor waren die DC-3 ("Rosinenbomber") von der Runway 27L sowie die Junkers Ju 52/3m ("Tante Ju") von der Runway 27R parallel als letzte Flugzeuge gestartet. Danach wurden die Lichter der Startbahnen für immer ausgeschaltet. Als letzte reguläre Linienmaschine startete um 21:50 Uhr eine Dornier DO 328 der Cirrus Airlines nach Mannheim.
Berlin weint um seinen Flughafen, denn den ganzen Tag regnete es in Berlin. Dennoch standen Hunderte von Menschen bei Regen und Kälte an den Zäunen rund um das Flughafengelände, um Lebewohl zu sagen und noch einmal die Verbundenheit mit ihrem Flughafen zu zeigen.
Ortswechsel: Haupthalle Flughafen Tempelhof. Die nicht mehr genutzten Gepäckförderbänder werden für das Buffett genutzt, die gesamte Halle steht mit weiß gedeckten Tischen voll. Hier hat die Berliner Flughafengesellschaft 850 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Mitarbeiter und Menschen, die eng mit dem Flughafen verbunden sind, zu einem Abschiedsfest eingeladenen. Unter ihnen auch Mercedes Wild. Sie bekam während der Blockade in Berlin vom Rosinenbomberpiloten Gail Halvorsen Schkolade geschenkt. Heute sind sie eng befreundet. Peinlich, daß dieser mit dem Flughafen unzertrennbar verbundene Mann noch nicht einmal zu der Feier eingeladen wurde. Vertreter der Industrie- und Handelskammer sowie der FDP-Fraktionsvorsitzende in Berlin Martin Lindner blieben der Feier demonstraiv fern. Vor dem Flughafengebäude demonstrierten Befürworter für den Erhalt von Tempelhof als Flughafen. Sie standen links und rechts von einer abgesperrten Gasse, die den Zugang zur Haupthalle bildete. Jeder Gast, der zur Feier wollte, mußte hier durch und wurde von Pfiffen und Buh-Rufen begleitet. Auf der Feier mußte der Regierende Bürgermeiter von Berlin Klaus Wowereit seine Rede unterbrechen, als er nach der Aussage „Die Emotionen sind noch stark präsent. Das müssen wir respektieren. Von 1975 bis 1991 war der Flughafen schon mal für die zivile Luftfahrt geschlossen. Aus meiner Sicht ist das heute nichts anderes. Bei aller Wehmut – es ist kein Verlust der Geschichte.“ Pfiffe, Buh-Rufe und abwertende Gesten erhielt. Nach seiner 15 minütigen Rede erntete er wieder Pfiffe und Buh-Rufe.
Einige Fluggesellschaften, wie Brussels Airlines oder Inter Sky wechselten bereits mit Beginn des Winterflugplanes nach Tegel. Der auf dem Flughafen Tempelhof stationierte Intensivhubschrauber "Christoph Berlin" bezog am 28.10. seinen neuen Stützpunkt am Unfallkrankenhaus Berlin (Bezirk Marzahn).
Mit der Schließung des Flughafens Tempelhof geht ein Ära zu Ende. Er war der längste in Betrieb befindliche Verkehrsflughafen. Mit seinen 128.000 m² es ist das drittgrößte zusammenhängende Gebäude der Welt und mit einer Länge von 1230 m wahrscheinlich das längste Gebäude Europas. Keine Bombe konnte ihm etwas anhaben. Doch vor dem Rot-roten Senat in Berlin mußte er in die Knie gehen. Viele Berliner werden ihn vermissen.
Tschüß Tempelhof!
Hier noch der letzte Funkspruch zwischen Bruce im Tower Tempelhof und der DC-3 und der Ju 52:
Gestern um 12:10 Uhr haben die drei auf dem Flughafen Tempelhof verbliebenen Maschinen den Flughafen auf dem Luftweg von der Runway 27L verlassen. Es war den Haltern der Flugzeuge gelungen, beim Luftfahrtbundesamt, dem Bund und der Senatsverwaltung eine Ausnahmestartgenehmigung zu erwirken. Dies war jedoch nur möglich, da Tempelhof noch nicht entwidmet ist und somit immer noch ein Flughafen ist, der allerdings "geschlossen" ist. Die Entwidmung findet Mitte Dezember statt, sofern die Klage beim OVG am 17. Dezember abgelehnt wird. Gegen die Entwidmung und den Erhalt des Flughafens als Weltkulturerbe streben Flughafenbefürworter ein neues Volksbegehren an. Die Maschinen konnten am am 30. Oktober, dem Tag der Schließung des Flughafens Tempelhof, auf Grund der Witterung nicht starten. Die Senatsverwaltung sprach darauf hin von einer "Provokation". Hätten die Piloten die Ausnahmestartgenehmigung nicht erhalten, hätten die Flugzeuge auseinandergebaut werden müssen und hätten den Flughafen auf Tiefladern verlassen. Dies hätte ca. 50.000 € gekostet. Bei den Maschinen handelte es sich um zwei Antonov 2 sowie um eine Beachcraft Bonanza. Das Radar des Flughafens wurde nicht eingeschaltet, noch wurde der Tower besetzt.